ACT als „dritte Welle“ der Verhaltenstherapie

Die Akzeptanz – und Commitmenttherapie zählt zur „dritten Welle“ der verhaltenstherapeutischen Interventionen. Diese sogenannte dritte Welle baut auf den kognitiven Verhaltenstherapien auf, wobei hier aber ein entscheidender Wechsel im Menschenbild vollzogen wird.

 

An einem Beispiel wird deutlich, worum es geht (vgl. Dr.M.S.Metzner):

Ein junger Mann von 17 Jahren wächst als Einzelkind auf und hat seine Berufsausbildung gerade begonnen. Seit 2 Monaten hat er eine Freundin, mit der er zusammenziehen möchte. Der Vater leidet unter „Burn Out“ und pflegt einen problematischen Umgang mit Alkohol. Die Mutter leidet unter einer generalisierten Angststörung und ist überbehütend.

Der junge Mann sucht schließlich Hilfe, weil er unter den Symptomen von Kontrollzwängen (Türen, Fenster) leidet, die so weit gehen, daß er schließlich nicht mehr aus dem Haus kommt.

Klassische Verhaltenstherapie (Watson, Skinner)

Sie setzt den Fokus auf die Änderung des Verhaltens, wobei angenommen wird, daß sich die kognitiven Prozesse daraufhin ebenfalls verändern. Also – ändere Dein Verhalten und Du hörst auf zu leiden.

Dieser Methode hängt einem mechanistischem Menschenbild an, „der Mensch ist eine organisch verbundene gebrauchsfertige Maschine“ (Watson, 1930, S. 336)

 

Für unser Fallbeispiel wäre das:

Junger Mann, geh aus dem Haus und drehe dich nicht um. Dein Denken und Fühlen wird sich dann Deinem Verhalten entsprechend anpassen.

Kognitive Verhaltenstherapie (Beck, Ellis, Meichenbaum)

Bei dieser Methode wird der Fokus auf die Änderung des inneren Monologs (u.a. positives Denken) und der Denk – und Wahrnehmungsmuster gelegt. Auch hier finden wir weitestgehend ein mechanistisches Menschenbild vor – der Mensch ist ein komplexes „Informationsverarbeitungssystem“. Das menschliche Leid basiert auf Fehler in der Informationsverarbeitung.

 

Für unser Beispiel:

Junger Mann gehe aus dem Haus und siehe, daß nichts Schlimmes passiert.

 

Die „dritte Generation“ der Verhaltenstherapie (Hayes,Linehan,Segal)

Diese Methode geht von einem dialektischen Menschenbild aus. Der Mensch formt und erschafft seine Umwelt genauso, wie die Umwelt den Menschen formt. Daher ist Leid und seelischer Schmerz dem Menschsein immanent und Teil der Normalität und wird durch Mangel an Achtsamkeit und Akzeptanz (Offenheit) verstärkt.  Nicht der Inhalt der subjektiven Erfahrungen (Gedanken, Gefühle, Körperreaktionen) muß verändert werden, sondern die Beziehung zu ihnen.

 

In unserem Beispiel:

Junger Mann, handle nach dem was dir wichtig ist, und erkenne, daß weder Gedanken noch Gefühle dich davon abhalten können und sollen.

 

 

 

 


Seite aktualisiert: 11.10.2017